Authentizität 

Ich habe relativ viel über Authentizität nachgedacht. Zunächst weil das Teil einer Fortbildung war,  in der man über seine Lehrerrolle nachdenken sollte. Es wurden verschiedene Rollen und Metaphern vorgeschlagen für den Lehrerberuf. Zum Beispiel: Gärtnerin – das fand ich gut… vielleicht wegen meiner Gärtnerfamilienherkunft; Schauspielerin, Künstlerin und Animateurin – das fand ich auch gut. das Klassenzimmer ist wie eine Bühne und entweder man steht als Lehrerin selbst im Mittelpunkt oder man muss die Lerner dazu aninmieren diese Rolle einzunehmen. Mit diesen Ideen stand ich aber allein auf weiter Flur. Und der Grund, den die anderen Teilnehmer nannten, war, dass man ja authentisch bleiben muss. Und wenn man schauspielert, dann ist man ja nicht mehr authentisch. Wie gesagt, ich war anderer Meinung. Ich fand, man muss auch mal in verschiedene Rollen schlüpfen als Lehrer. Man steht da vorn und alle starren einen an und erwarten irgendwas. Manchmal muss man lustig sein, auch wenn einem zum heulen ist und manchmal muss man streng sein, auch wenn man die Streiche der Schüler eigentlich doch lustig findet. Trotzdem war ich schon relativ unzufrieden mit meinem Lehren in der letzten Zeit.

Irgendwie war mir die Leichtigkeit abhanden gekommen. Ich weiß nicht, wo sie hin ging, aber ich glaube fest, dass es damit zu tun hatte, dass ich mich nicht ernst genommen und unterstützt fühlte in einem der Jobs. Immer wieder und in jedem Mitarbeitergespräch mit meinem Chef sagte er: „ja, Sie haben ja keine pädagogische Ausbildung. Also, dafür machen Sie es ja ganz gut.“ Auf meiner mangelnden pädagogischen Ausbildung reitet er jedes Mal herum. Weil ich kein Referendariat gemacht habe. Als ob das alles wäre. Oder vielleicht findet mich sowieso schlecht und vertuscht es hinter einem fachlichen Mangel oder so.

In der Niederländischklasse wurde mir auch gleich klar gemacht, dass ich nicht soooo gut Niederländisch spreche, also halt nicht wie eine Muttersprachlerin oder wie eine Niederländischlehrerin. Überraschung, ich bin auch keine Niederländischlehrerin.

Darüber hinaus war ich im letzten Schuljahr soooo beschäftigt damit, mich als Lehrerin zu etablieren und habe ungefähr 3 bis 4 Jobs gehabt, so dass es alles nur eine Beweisprobe wurde. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es kann. Dass ich mehr arbeiten kann und eine richtige Lehrerin sein. Klassen managen. Geld verdienen.

Am letzten Tag mit meinem Privatschüler kam die Leichtigkeit zurück. Ich möchte dass sie bleibt. Ich glaube, das ist Authentizität. Die Leichtigkeit, wenn alles von allein geht und ohne Druck und ohne Angst und ohne Minderwertigkeitskomplex. Aber manchmal braucht man auch mal Bestätigung. Nicht nur meine Schüler brauchen das.

Ich hatte noch andere gute Metaphern für den Lehrerberuf. Jetzt sind sie mir entfallen. Vielleicht fallen sie mir wieder. Oder ich schreibe später mal was dazu.

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